Was ist Achtsamkeit?

 

Achtsamkeit ist eine Qualität menschlichen Bewusstseins, sozusagen eine besondere Form von Aufmerksamkeit. Dabei werden in einem klaren Bewusstseinszustand, innere und äußere Erfahrungen vorurteilsfrei registriert und zugelassen. Mit zunehmender Achtsamkeit verändern sich  gewohnheitsmäßige und unbewusste Reaktionen auf das Erlebte, was zur Folge hat, dass sich eine Veränderung in Richtung authentischen und selbstverantwortlichen Handelns einstellt.

Achtsamkeit und Meditation sind nicht das Gleiche. Achtsamkeit bedeutet, den Augenblick bewusst wahrzunehmen, zu beobachten und nicht zu urteilen. Dabei ist es egal, was wir gerade machen, ob wir Kochen, Essen, Spazierengehen, geistig tätig sind oder mit Alltagsdingen beschäftigt sind.  Wir können währenddessen unsere Reaktionen im Körper sowie unsere Gedanken und Emotionen beobachten.

Forschungen haben gezeigt, dass Meditation und Achtsamkeit positive Effekte haben: höhere emotionale und psychische Ausgeglichenheit, Konzentrationssteigerung, Stressreduzierung. Zudem sind beides effektive, nebenwirkungsfreie und somit gesunde Methoden, mit der Hektik des Alltags besser umzugehen.

Menschen, die Achtsamkeit praktizieren können besser mit der eigenen Gedankenflut umgehen, sie sind weniger aufgeregt und reagieren gelassener, sind somit stressresilienter. Die Selbstwirksamkeit nimmt zu, und viele berichten auch, dass sie abends besser einschlafen können.

Achtsamkeit ist eine Lebenseinstellung, die durch eine akzeptierende und sich selbst gegenüber wohlwollende Haltung auszeichnet ist. Dabei handelt es sich um ein „offenes, nichturteilendes Gewahrsein von Augenblick zu Augenblick“. Gewahrsein bedeutet in diesem Zusammenhang ein  „Erspüren und Wahrnehmen wie es unserer Seele, unserem Geist und unserem Körper geht, über das gedankliche Wissen hinaus“. Diese Definitionen stammen von Jon Kabat-Zinn, einem amerikanischen Molekularbiologen und emeritierten Professor an der University of Massachusetts Medical School. Jon Kabat-Zinn gründete 1979 die Stress Reduction Clinic, an der er das MBSR-Programm entwickelte. (MBSR = Mindfulness-Based Stress Reduction, auf deutsch Achtsamkeits-basierte Stressreduktion).

Um diese Methode zu praktizieren muss man weder religiös noch esoterisch oder spirituell sein. Die Übungen sind bodenständig, frei von Hokuspokus und die Wirkung ist sogar evidenzbasiert. Die Eigen- und Fremdwahrnehmung werden geschult, um angeborene, aber verschüttete Ressourcen wieder frei zu legen. Anhand praktischer Übungen lernt man mit Stress, schmerzhaften Gefühlen, körperlichen Schmerzen oder schwierigen Kommunikationsbedingungen besser umzugehen.

Bei vielen anderen Methoden geht es zumeist um eine Veränderung der Einstellung mittels positivem Denken, Affirmationen oder ähnlichem: „Ist ja alles gar nicht so schlimm. Du schaffst es schon“ usw. Beim Üben der Achtsamkeit ist dies anders. Man nimmt eine beobachtende und nachsichtige Haltung gegenüber den Ereignissen des Lebens und der Haltung des Geistes ein. Durch diese unbedingte Akzeptanz der Gedanken und Gefühle verändern sich diese von selbst. Nicht das Individuum als handelnde Person muss sich ändern, sondern seine Wahrnehmung gegenüber den Ereignissen der Um- und Innenwelt. Indem nicht länger Gedanken und Gefühle mit der eigenen Identität verwechselt werden, werden ihnen die Macht genommen.

 

 

Achtsamkeitsmeditation ist geeignet zur/bei

 

  • Verbesserung der eigenen Lebensqualität
  • Vorbeugung & Behandlung stressbedingter Gesundheitsstörungen
  • Unterstützung bei kardiovaskulären Erkrankungen
  • Verbesserung und Stärkung des Immunsystems
  • chronischen Schmerzzuständen

 

Wichtig beim Einüben der Achtsamkeit ist das Einhalten einer unbedingten Regelmäßigkeit. Sie soll „der Anker im Meer der Autonomie“ sein. Das tägliche Praktizieren zu Hause und anderswo ist Voraussetzung, um alte Gewohnheiten und Reaktionsmuster zu identifizieren und durch eine achtsame Haltung zu ersetzen. Nur so entwickelt man sich weiter. Kabat-Zinn sagt: „Don’t like it,      do it!“, d.h. auch wenn es Tag gibt, an denen die Lust zur Durchführung fehlt, einfach üben, „als ob um dein Leben ginge“.

Das eigentlich Angenehme bei dieser Methode ist, dass es kein Ziel zu erreichen gilt. Ganz im Gegenteil, je niedriger die Erwartungshaltung ist, je weniger ergebnisorientiert man an die Sache herangeht, desto eher werden sich Veränderungen einstellen.

 

„Meister, Meister, wie lange brauche ich bis zur Erleuchtung?” „Nun, vielleicht 20 Jahre.”

„Und wenn ich mich wirklich sehr anstrenge?”

„Dann 40 Jahre”.

 

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